Rückenschmerzen verstehen: Warum Dein Rücken nicht „kaputt“ ist – sondern missverstanden
Einleitung: Die Wahrheit über Deinen Rücken
Fast jeder Mensch erlebt irgendwann Rückenschmerzen. Und die meisten bekommen keine klaren Antworten auf ihre drängenden Fragen:
* Warum tut es weh?
* Warum kommen die Schmerzen immer wieder zurück?
* Warum helfen MRT, Spritzen oder „Einrenken“ oft nur kurzzeitig?
* Warum sagt jeder Experte etwas anderes?
Die überraschende Antwort: Weil Rückenschmerzen nicht automatisch ein Problem im Rücken sind.
Sondern ein komplexes Zusammenspiel aus Belastung, Regeneration, biologischen Prozessen, Deinem Nervensystem und Deinen Erwartungen. Als Personal Trainer in Kiel habe ich täglich mit Menschen zu tun, die unter Rückenschmerzen leiden – und die mit dem richtigen Ansatz wieder ein schmerzfreies, aktives Leben führen können.
Dieser Artikel bündelt evidenzbasierte Erkenntnisse, räumt mit hartnäckigen Mythen auf, zeigt wichtige Warnsignale und gibt Dir einen realistischen Fahrplan zurück in ein belastbares Leben.
Die 5 größten Missverständnisse über Rückenschmerzen
Diese Aussagen stammen aus realen Gesprächen mit Klienten – und sind wissenschaftlich widerlegt:
Mythos 1: „Wenn es schmerzt, ist etwas kaputt.“
→ Fakt: Schmerz ist ein Warnsignal, kein Schadensnachweis. Zahlreiche Studien zeigen: Bildgebung korreliert nicht zuverlässig mit Schmerzen. Über 40% der Menschen ohne jegliche Symptome haben im MRT „Auffälligkeiten“.
Mythos 2: „Meine Bandscheibe ist rausgerutscht.“
→ Fakt: Bandscheiben rutschen nicht heraus. Vorfälle sind komplexe Gewebeprozesse, keine mechanisch verrutschten Körperteile.
Mythos 3: „Ich brauche vor allem Ruhe.“
→ Fakt: Bewegte Entlastung schlägt Bettruhe. Schonung über 48 Stunden hinaus verzögert sogar die Heilung.
Mythos 4: „Ich habe schlechte Gene, meine Mutter hatte das auch.“
→ Fakt: Rückenprobleme sind nicht erblich determiniert. Lebensstil, Stress und Bewegungsgewohnheiten haben einen weitaus stärkeren Einfluss.
Mythos 5: „Wenn es weh tut, darf ich nichts tun.“
→ Fakt: Das Ziel ist nicht, schmerzfrei zu sein, sondern progressiv belastbarer zu werden. Schmerzen dürfen in einem gewissen Toleranzbereich durchaus auftreten.
Bildgebung (MRT/CT): Warum „Funde“ Dich mehr verunsichern als helfen
Es stimmt zwar, dass ein MRT Strukturen zeigt. Falsch ist jedoch die Annahme, dass ein MRT automatisch den Schmerz erklärt. Hier einige häufige Fehlschlüsse:
„Bandscheibenvorfall“ im Befund
→ Realität: Kann schmerzhaft sein – muss aber nicht. Viele Befunde sind völlig asymptomatisch.
„Degenerative Veränderungen“ im Befund
→ Realität: Das sind normale Alterungserscheinungen wie Falten im Gesicht – kein medizinischer Notfall.
„Vorwölbung“ im Befund
→ Realität: Nicht automatisch entzündet oder eingeklemmt.
Wann ein MRT wirklich sinnvoll ist (Red Flags):
* Kontrollverlust über Blase oder Darm
* Lähmungserscheinungen / Fußheberparese
* Sturztrauma / Unfall
* Krebsanamnese
* Anhaltender nächtlicher Ruheschmerz
💡 Ohne diese Red Flags → Setze erst auf Bewegung und funktionelle Diagnostik.
Warum Schmerzen bleiben – obwohl nichts „kaputt“ ist
Das Nervensystem kann in einen Zustand geraten, den man Sensibilisierung nennt:
* Schmerz als Überschutz
* Bewegungen wirken „gefährlich“
* Anspannung im System erhöht die Reizbarkeit
Das Gute daran: Dieser Zustand ist reversibel!
👉 Schmerzgedächtnis = veränderbar
👉 Belastbarkeit = trainierbar
Es geht also nicht darum, dass „Dein Rücken kaputt ist“, sondern: „Dein System ist im Alarmmodus.“
Die 3 Ebenen der Rückenschmerzen
Für einen sinnvollen Therapieplan müssen alle drei Ebenen adressiert werden:
1. Biomechanik
* Kraft, Beweglichkeit, Gewebeheilung, Belastungsmanagement
2. Neurologie
* Schmerzverarbeitung, Nervenspannung, Sensibilisierung, Stress
3. Psychosoziale Faktoren (PSY-Körper)
* Erwartungen, Angst, Schlaf, Selbstwirksamkeit, Umfeld
Die moderne Medizin nennt diesen ganzheitlichen Ansatz das „Biopsychosoziale Modell“ – der wissenschaftliche Goldstandard seit 2001 (Engel/WHO).
Einfache Einordnung: Akut vs. Chronisch
| Phase | Zeitraum | Ziel | Was NICHT hilft | |——-|———-|——|—————–| | Akut | 0–6 Wochen | Beruhigen, Bewegung statt Ruhe | Komplette Schonung, Panikdiagnose | | Subakut | 6–12 Wochen | Belastung erhöhen, Training starten | MRT ohne Red Flags | | Chronisch | > 12 Wochen | Nervensystem beruhigen, Identität & Routinen aufbauen | Weiter im „Patienten-Modus“ bleiben |
Was wirklich hilft (statt Internet-Ratschläge)
🔹 Bewegung
„Motion is Lotion.“ – Bewegung ist wie Schmieröl für Deinen Körper.
* Leichte Rotationsbewegungen
* Spazierengehen
* Hüft- & Brustwirbelsäulenmobilität
* Alltagsbelastung dosieren statt vermeiden
🔹 Krafttraining
Nicht nur „Rücken kräftigen“ – sondern:
* Hüfte
* Core-Muskulatur
* Latissimus & Gesäßmuskulatur
* Antirotations- & Hinge-Bewegungen
🔹 Belastungsmanagement
* 30–70% Regel (subjektiv)
* Schmerzskala 0–10 → 3–5 ist erlaubt
* Kein „No pain, no gain“ – aber auch kein „nie Schmerz“
🔹 Schlaf & Stress
Schmerz ist bio-psycho-sozial → Stress wirkt wie ein Turboverstärker für Deine Schmerzen.
Was NICHT funktioniert (und warum)
❌ Bettruhe
→ Führt zu Muskelschwund und Sensibilisierung
❌ „Einrenken“ als Dauerlösung
→ Bringt vielleicht 3 Tage Erleichterung, aber keine langfristige Anpassung
❌ „Wunderübungen“
→ Kein System, keine Dosierung, keine Progression
❌ Panik vor Biegung/Rotation
→ Führt zu Fear Avoidance und Bewegungsarmut
❌ „Ich muss erst schmerzfrei sein“
→ Verzögert den Fortschritt erheblich
Der Fahrplan (Philip-Lange-Methode)
Phase 1 – Sicherheit herstellen
* Red Flags ausschließen
* Erwartungen sortieren
* Schmerz verstehen (er ist kein Feind)
Phase 2 – Kapazität erhöhen
* Training 2–4×/Woche
* Progression in Mikro-Schritten
* Alltag zurückerobern statt vermeiden
Phase 3 – Identität & Selbstführung
* Weg von: „Ich habe einen kaputten Rücken“
* Hin zu: „Ich bin jemand, der kontinuierlich belastbarer wird“
Zusammenfassung
✔ Rückenschmerzen bedeuten nicht automatisch einen Schaden
✔ Bildgebung ist ein Werkzeug, kein endgültiges Urteil
✔ Bewegung ist besser als Schonung
✔ Progression ist wichtiger als Perfektion
✔ Dein Nervensystem ist trainierbar
✔ Deine Identität schlägt jede einzelne Intervention
Nicht „schmerzfrei“ ist das Ziel.
Sondern: wieder der Mensch zu werden, der die Dinge tut, die er liebt.
Bereit für den nächsten Schritt?
Wenn Du in Kiel oder online professionelle Unterstützung brauchst:
* Funktionelle Diagnostik statt Pauschaldiagnosen
* Individuelles Coaching, Training und Re-Integration in den Alltag
* Kein „10 Übungen gegen Rückenschmerz“–Bullshit
* Sondern die bewährte Philip-Lange-Methode
📩 Kontaktiere mich unter: kontakt@philip-lange.com
„Auf Empfehlung kam ich zu Philip Lange. Die Motivation für ein Personal Training waren meine Rückenschmerzen vor 10 Wochen. Nach der ersten Trainingseinheit ging es mir besser, war deutlich beweglicher, nach der zweiten war ich beschwerdefrei. Inzwischen trainiert mich Philip seit 10 Wochen und ich bin begeistert. Jedes Training ist abwechslungsreich und intensiv. Durch seine professionelle Anleitung und Hilfestellungen erlebe ich Fortschritte, die ich so noch nicht erlebt habe. Kein Training ist wie das andere, so macht Training Spaß! Danke Philip für Deine Ideen, Motivation, Humor, fachliche Kompetenz und Spaß. Ich freue mich auf viele weitere Trainingseinheiten!“ – Dr. med. Jens Orthmann
FAQ: Häufige Fragen zu Rückenschmerzen
Muss ich bei Rückenschmerzen sofort zum Arzt?
Nicht unbedingt. Bei akuten Schmerzen ohne die genannten Red Flags (wie Kontrollverlust über Blase/Darm) kannst Du zunächst mit sanfter Bewegung und Schmerzmitteln nach Packungsbeilage beginnen. Wenn die Schmerzen nach 1-2 Wochen nicht besser werden oder sich verschlimmern, solltest Du einen Arzt aufsuchen.
Sind Bandscheibenvorfälle immer operationspflichtig?
Nein, die meisten Bandscheibenvorfälle heilen ohne Operation. Studien zeigen, dass nur etwa 1-5% aller Bandscheibenvorfälle tatsächlich eine OP benötigen. Die Entscheidung sollte immer auf Basis der Symptome, nicht allein des MRT-Befundes getroffen werden.
Kann ich mit Rückenschmerzen trainieren?
Ja, in den meisten Fällen ist angepasstes Training sogar förderlich. Die Dosierung und Übungsauswahl sollte jedoch individuell angepasst werden. Beginne mit leichten Bewegungen im schmerzfreien oder -armen Bereich und steigere die Intensität schrittweise.
Wie lange dauert es, bis Rückenschmerzen verschwinden?
Die Heilungsdauer variiert stark. Akute unspezifische Rückenschmerzen bessern sich meist innerhalb von 2-6 Wochen. Bei chronischen Beschwerden (länger als 12 Wochen) kann der Weg zurück länger dauern, ist aber mit dem richtigen Ansatz definitiv möglich.
Welche Matratze ist am besten bei Rückenschmerzen?
Es gibt keine „beste“ Matratze für alle Rückenschmerzen. Wichtiger als ein bestimmter Härtegrad ist, dass die Matratze zu Deinem Körper und Deinen Schlafgewohnheiten passt. Eine gute Matratze sollte die natürliche Krümmung der Wirbelsäule unterstützen, ohne zu viel Druck auf empfindliche Stellen auszuüben.











